Der berüchtigte Meisterdieb AVENGER X müht sich, es den Antihelden der Fumetto Neri gleich zu tun, erweist aber als viel zu nett dafür. Diese Kurzkritik habe ich zuerst am 15. November 2024 in der Badmovies-Gruppe auf Facebook veröffentlicht.
Avenger X (OT: Mister X/Regie: Piero Vivarelli/Italien, 1967)
Eigentlich hat sich Meisterdieb Mister X zur Ruhe gesetzt und zweck dessen sein Ableben inszeniert. Doch des vorgeblich Toten Altersruhe wird empfindlich gestört, als der bösewichtige George Lamarro einen feisten Coup einfädelt, dessen Umsetzung dem vermeintlich toten Verbrecher angedichtet. Und nicht nur das, zwei Morde an unschuldigen Mitwissern soll er auch noch begangen haben! Das kann Mister X nun gar nicht auf sich sitzen lassen, sucht seinen alten Anzug raus und bemüht sich aus dem Ruhestand, um mit seiner Assistentin und Geliebten Timy den Unholden die Leviten zu lesen…
Zu gut, um „Anti“ zu sein
AVENGER X aka MISTER-X wäre gerne eine der zwielichtigen Gestalten der beliebten Fumetto Neri, wie Diabolik oder Kriminal, die unter Mario Bava respektive Umberto Lenzi zu der Zeit gerade auch die Lichtspielhäuser unsicher machten. Doch hingegen zu diesen eher finster gezeichneten Zeitgenossen erweist sich Mister X dann doch eher als charismatischer Gentleman-Gauner. Das bietet natürlich ein höheres Identifikationspotenzial, negiert aber den Reiz, mit einem richtigen, fiesen Meisterverbrecher mitzufiebern damit von Anfang an. Wer bei dem Titel und den Bildern des kostümierten (Anti-)Helden also einen ähnlich gearteten Fumetto-Movie erwartet, wird unweigerlich enttäuscht. Regisseur Piero Vivarelli, der im Anschluss auch noch eine durch ein Serum verjüngte, maskierte Frau in SATANIK auf das Publikum losließ, bietet hier eher leicht-lockerere Gangsterfilm-Kost auf, was aber auch nichts Schlechtes sein muss.
Fazit zu AVENGER X
Und tatsächlich macht Pier Paolo Capponi (NAKED VIOLENCE, DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS) in der Hauptrolle keine schlechte Figur, auch der Film an sich schreitet gefällig voran, was auch an den weitläufig angelgten Plänen der Hintermänner des großen Coups liegt. Langeweile kommt da nicht auf, auch wenn die Höhepunkte selbst etwas schmal ausfallen. Das mundet dem geneigten Fan sicherlich, auch wenn es sich nicht als Sterne-Menü erweist.