Der bereits 2005 verschiedene Teruo Ishii galt in Japan als „The King of Cult“ und war im Westen vor allem für seine Filme der Tokugawa-Reihe bekannt. Bohachi Bushido: Code of the Forgotten Eight referriert diese Filme, bindet aber auch Elemente des Samuraifilms mit ein. Stilistisch ging Ishii hingegen den Weg weiter, den er mit etwa Horrors of the Malformed Man oder Blind Woman’s Curse begonnen hatte.
Bohachi Bushido: Code of the Forgotten Eight (Regie: Teruo Ishii/Japan, 1973)
Ronin Shinô Ashita findet sich von Feinden eingekesselt wieder. Die Häscher des Magistrat wähnen sich als Sieger, und der gejagte Assassine spielt mit dem Gedanken, sich selbst zu richten, als ihn die Kämpfer des Bohachi-Clans zur Seite springen und in ihr Hauptquartier retten können. Obwohl er für die vom Fürsten protegierten Menschenhändler, die junge Frauen als willige Huren versklaven, nur Verachtung übrig hat, nimmt er das Angebot ihres Meisters, sich ihnen anzuschließen, doch an. In seinem Auftrag soll er die Konkurrenz durch die illegalen Bordelle in der Innenstadt eliminieren, was Shinô nur allzu gut gelingt. Schnell gilt er als gefürchteter Vollstrecker der Bushido, und die Zuhälter der Stadt setzen ein hohes Kopfgeld auf ihn aus. Aber auch die Ninja des Kurokowamon-Clans, unter deren Schutz die Unterwelt der Stadt steht, stellen ihm nun nach. Bald schon sieht sich der Assassine von allen Seiten bedroht, denn auch seinem neuen Meister ist nicht zu trauen…
Psychedelik, Blut und Frauenfolter
Hui, was war denn das? Anfang der 70er hatte Teruo Ishii seine wilde Phase, experimentierte mit psychedelischen Bildmontagen, sehr künstlich wirkender Beleuchtung und verschiedene Darstellungsweisen von Gewalt, sexuell wie Waffen-induziert. Er vermischt in Bohachi Bushido: Code of the Forgotten Eight nun Jidai-Geki mit den für ihn aus der Tokugawa-Reihe bekannten Sexploitation-Elementen, die sich hier tatsächlich 1-zu-1 gegenüberstehen. Und mehr noch als bei den Tokugawa-Filmen (zu denen auch Bohachi Bushido lose zählt) auf der einen oder etwa Femals Yakuza Tale auf der anderen Seite, setzt er bei der Darstellung von sexueller Gewalt und auch der Schwertkampf-Action auf schräge Winkel, subjektive Einstellungen und leichte Bildverfremdungen. Vor allem die Action wird durch häufigen Einsatz von Slow Motion quasi zerdehnt, was sie ins Surreale abdriften lässt, gerade wenn das Blut in Fontänen spritzt oder abgetrennte Körperteile durch die Gegend fliegen. Das raubt dem Ganzen leider vollkommen die Dynamik; was schlimm wäre, wenn diese im Zentrum des Interesse stünden, doch dem ist zum Glück nicht so. Daneben gibt es ein paar gewohnt durchgeknallte Ideen, wie z.B. eine Gruppe von Frauen, die Shinô nach einem Brandanschlag der Ninja beistehen und die Flammen ersticken, indem sie mit feuerfester Kleidung darüber hinwegrollen. Danach entledigen sie sich der Kleidung und müssen sich dann komplett nackt dem Ober-Ninja der Kurokowamon stellen.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht stets Tetsurô Tanba als Ronin Shinô Ashita, der hier eine abstrus schlechte Langhaar-Perücke spazieren tragen muss. Er läuft dabei auf stoischer Automatik, was aber gar nicht mal schlecht zur Rolle passt. Er war ja in den 70ern einer der größten Stars des japanischen Kinos (und schon 1967 als „Tiger Tanaka“ in Man lebt nur zweimal zu internationaler Bekanntheit gelangt), der bis zu seinem Tod 2006 durchweg vor der Kamera stand und in mehr als 400 Produktionen mitwirkte (u.a. Goyôkin, Der Tiger von Osaka, Panik im Tokio-Express). Das durchtriebene Oberhaupt der Bohachi gibt Tatsuo Endô, er spielte meist den fiesen Gangsterboss oder den tyrannischen Fürsten. Und er kann das wirklich gut, er ist einer der Höhepunkte des Films. Als Shinôs Retter und zweiter Mann im Clan ist Gorô Ibuki zu sehen, der bisher irgendwie unter meinem Radar lief, aber durchaus Charisma besitzt. Alle drei standen übrigens im selben Jahr noch für Kinji Fukasaku vor der Kamera, für den Start seiner berühmten Yakuza-Reihe Battles without Honor and Humanity. Eine leider nur kleine, aber doch Eindruck hinterlassende Nebenrolle bekleidet Ryôhei Uchida, er darf gegen die nackten Frauen kämpfen. Ihn sehe ich immer wieder gerne, ob in seinen Filmen mit Sonny Chiba oder Samurai-Streifen wie 13 Assassins oder Samurai Wolf. Der ist echt immer knorke.
Fazit zu Bohachi Bushido
Bohachi Bushido: Code of the Forgotten Eight ist nun kein Film für Zartbesaitete. Zwar muten die Verstümmelungen und das Gemetzel während der Schwertkämpfe nicht sehr realistisch an, doch die Folterszenen mit den zur Prostitution gezwungenen Frauen sind trotz experimenteller Ansätze nicht ohne, das tut schon beim Zuschauen weh. Wer damit klar kommt, dem serviert Teruo Ishii hier einen wilden Mix aus späten Samurai-Film, seiner bekannten Sexploitation und dem abgefahrenen Stil seines Horrors of the Malformed Man. Ich für meinen Teil fühlte mich gut unterhalten, mit Abstrichen in der B-Note. Die 80 Minuten sind wie im Flug vergangen. Im Jahr darauf folgte Bohachi Bushido: The Villain, der aber keine Fortsetzung, sondern eher eine Variation des gleichen Themas darstellt. Statt psychedelischer Gewaltphantasien setzt der Film auf eine noir-artige Kriminalgeschichte. Hier spielt dann Gorô Ibuki den Ronin, der sich dem Bohachi-Clan verdingt und von allen und jeden hintergangen wird.
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