Das Todeslied des Shaolin (1977)

Das ist einer der Handkantenkracher, die vor 20 Jahren noch, und das sogar ungeschnitten, im Nachtprogramm von RTL 2 rumgeisterten. Dort hab ich ihn dann auch mehr als einmal gesehen. Schön, dass er jetzt von filmArt auf Blu-ray erschienen ist.

Zur Zeit der Ming Dynastie begab es sich, dass ein japanischer Fürst seine Samurai nach China ausschickte. Mit ihren fortschrittlichen Waffen drangen sie weit ins Land vor. Als ein Landesfürst mit der Prinzessin in einen Hinterhalt gerät, eilt ein großer Kämpfer (Wang Yu) zur Hilfe. Damit ist er der japanischen Offizierin Sheila (Emily Chang) ein Dorn im Auge. Da er sich nicht von ihr anwerben lässt, schickt sie nun nach Kämpfern aus, die es mit ihm aufnehmen könnten…

Jimmy Wang Yu begann seine Karriere bei den großen Shaw Brothers Studios und stieg dort schnell zum Superstar auf. Allerdings wurde er auch schnell flügge und ging nach Taiwan, um dort seine eigenen Vorstellungen von Martial-Arts-Filmen umzusetzen. Bei DAS TODESLIED DES SHAOLIN konnte er 1977 schon auf einige Erfahrungen als Regisseur zurückblicken. Aber selbst hier merkt man noch, dass an ihm kein großer Geschichtenerzähler verloren gegangen ist. Das ist aber auch schnuppe, denn Wang Yu sucht sein Heil in der Flucht nach vorne. Seine Filme sind flotte Unterhaltungsprodukte, die zumeist nur eine Kampfszene an die nächste reihen.

Dieser Verzicht auf ein kompliziertes Story-Konstrukt hob ihn sicherlich nicht aus der Masse an Action-Produktionen dieser Zeit ab. Doch Wang Yu verstand es, seine Filme immer mit schrägen Charakteren und einem großen Arsenal verschiedener, teils exotischer Waffen vollzustopfen. Und auch hier gibt es nicht nur tonal markig untermalte Schläge und Tritte, von kleinen Messern, über Schwerter und Lanzen, Sicheln, Ketten und sogar Pistolen, Gewehre und Sprengstoff reicht die Spannweite. Dazu geben sich neben den obligatorischen Kung-Fu-Kämpfer auch Samurai, Ninjas und zum Ende sogar noch Zombie-Kämpfer ihr Stelldichein. Die Kämpfe sind dabei ganz nett choreographiert und fotografiert. Das reißt zwar niemanden vom Hocker, bietet aber genug Abwechslung. Außerdem gibt es auch mal wieder ein kleines Turnier zu bestaunen, was ja immer eine kurzweilige Angelegenheit ist.

Nebenher gibt es bei DAS TODESLIED DES SHAOLIN auch wieder ein Wiedersehen liebgewonnener Gesichter. Als Messerwerfer, der sich vor allem durch sein Scheitern hervortut, ist Wang Yung-Sheng zu sehen, ein Wang-Yu-Regular. Ein weiterer Weggefährte ist Hsieh Hsing, der mal wieder nur einen Kampf hat, aber für die komplett Kampfchoreographie des Films zuständig war. Der nächste im Bunde ist Lung Fei, der als meisterlicher Pistolenschützen-Kämpfer auch den finalen Gegner abgibt. Das war eine Rolle, die eigentlich auch Chin Kang gut ausfüllen konnte (seinen Guillotinen-Meister aus DUELL DER GIGANTEN ist einer meiner liebsten Kämpfer); er darf zumindest ein paar Mal mit der Lanze antreten, u.a. auch als Sieger beim erwähnten Turnier.

Summasummarum ist das dann auch gute, wenn auch nicht hochklassige Unterhaltung. DAS TODESLIED DES SHAOLIN ist im besten Sinne das Potpourri, das man sich von einem Wang-Yu-Film erwarten darf und macht auch heute noch so viel Spaß wie vor 20 Jahren im Nachtprogramm der Privaten. Das Bild der Blu-ray ist gut, nicht durchgehend, aber überwiegend. Einige Szenen sind etwas unscharf, und hier wie da sind Verunreinigungen zu sehen. Dem Technik-Freak mag das ein Greul sein, ich nenne das charmant altmodisch.

Author: Thomas Hortian

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