Die stahlharten Vier (1974)

Dass Jimmy Wang Yu als Star seiner eigenen Filme nicht immer im Vordergrund stehen muss, bewies er 1974 mit DIE STAHLHARTEN VIER. Dieser kleine, aber feine Eastern scheint ein wenig in Vergessenheit geraten, für mich war er auf jeden Fall eine spannende Neuentdeckung.

Handlung

„Eine kleine Stadt im Nordosten Chinas ächzt in den 1920ern unter dem Joch des Verbrechens. Das Sagen hat der Hehler Su Wong (Lung Fei), der auf eine Truppe brutaler Kämpfer zurückgreifen kann, die sich unter Korbhüten verbergen und von dem Japaner Shinga (Luk Chuen) angeführt werden. Der Reisende Xiao Pao (Wang Yu) gerät nach einem Glücksspiel mit einem Gangster (Philip Ko) aneinander, weil er dessen Leuten beim Glücksspiel viel Geld abgenommen hat. Und Feng Chung (Chang Yi) findet auf dem Heimweg Chang (Kam Kong) auf der Straße, der von der Bande des Gangsters zum Sterben zurückgelassen wurde. Auch der Kung-Fu-Meister Tien Pao (Chen Hsing) trifft in der Stadt ein. Er ist dem Alkohol verfallen, seitdem er unbeabsichtigt einen Gegner im Kampf tötete. Chang, sein ehemaliger Schüler, versucht ihn zur Vernunft zu bringen, beißt aber auf Granit. Jeder von ihnen gerät mit der Bande aneinander und langsamt reift in ihnen der Entschluss, sich den Unholden entgegen zu stellen…“

Besprechung

Mit seinen augenscheinlich schmalen Budget und den brutalen Kämpfen scheint DIE STAHLHARTEN VIER ein typischer Wang Yu-Film der Post-Shaw-Ära zu sein. Allerdings unterscheidet er sich in einigen Punkten dann doch von den anderen seiner Filme, die ich in letzter Zeit von ihm gesehen habe. Die Story ist zwar simpel, aber durchaus stringent, die Inszenierung erinnert dabei nicht von ungefähr an amerikanische Western.

Im Ensemble der vier Helden hält sich der Star dabei zudem vornehm zurück. Der zentrale Handlungsstrang dreht sich um Chen Hsing als Alkoholiker Tien Pao, der sich aufgegeben zu haben scheint und neuen Mut schöpfen muss. Er hat auch im Finale die meiste Screentime. Das macht durchaus Sinn, da er als einziger richtiges Drama transportiert. Zumal wäre die Rolle für Wang Yu selbst eher ungeeignet gewesen. Der ist stattdessen für die humorigen Zwischentöne zuständig. Er gerät immer wieder mit Kam Kong als Chang aneinander, den er im Hause von Chang Yi als Feng Chung kennenlernt. Letzterer ist der, der die Truppe eint, um gegen die Unholde zu Felde zu ziehen.

Spannend vorgetragene Geschichte mit zünftiger Action

Interessant ist auch ein weiterer Handlungsstrang, in dem Philip Ko dem Boss Su Wong – Long Fei nutzt hier jede Möglichkeit zum Chargieren – eine Truhe mit wertvollen Schmuck verkaufen will. Doch der eigentliche Besitzer, Chung, ist noch am Leben, weswegen Su Wong ihn auffordert, ihn aus dem Weg zu räumen. Das verleiht dem Schurken noch zusätzlich Profil. Und wir bekommen mehr Gelegenheit, Luk Chuen mit seinen Mannen beim blutigen Handwerk zu sehen. Außerdem ist der scharf auf Yi Hung, die eine Wirtin spielt. Sie ist aber eher dem unglücklichen Tien Pao zugetan.

Das, worauf es bei einem Wang-Yu-Film ankommt, ist natürlich die Action. DIE STAHLHARTEN VIER setzt vor allem auf Handkanten-Action und weniger auf Waffenkampf. Außerdem gibt es weniger abgedrehte Charaktere mit exotischen Kampfstilen zu bewundern. Aber die Action Set Pieces sind angenehm über die 86 Minuten verteilt und allesamt sehr ansehnlich choreographiert. Gerade wenn Luk Chuen oder Chen Hsing loslegen, bringt das mächtig Spaß. Nur ist leider hat man ihr direktes Aufeinandertreffen am Ende hierzulande arg zerstückelt. Die Dichte an Auseinandersetzungen ist lange nicht so hoch wie bei etwa ONE ARMED BOXER oder DUELL DER GIGANTEN. Da das Skript des Films aber so gut funktioniert, fällt das nicht ins Gewicht. Alles in allem wirkt das alles nämlich erstaunlich rund, trotz der zahlreichen Schnitte.

Die deutsche Fassung – ein Massaker

In Deutschland erschien DIE STAHLHARTEN VIER erst 1981 auf Video von VPS. Vertont wurde er mit einigen bekannten Sprechern, u.a. hat Thomas Danneberg die Stimme von Philip Ko eingesprochen. Wie bereits erwähnt, hat es der Film leider nicht vollständig in unsere Videotheken geschafft. Knapp vier Minuten wurden entfernt, darunter einige der heftigen Gewaltspitzen und große Teile des Finales. Die DVD von Splendid weist zudem einige Filmrisse auf, was zu Jumpcuts führte. Die Bildqualität erweist sich als eher schlecht, der Ton als ein Stereo-Upmix. Und natürlich ist das Bild nicht anamorph codiert enthalten. Der Film ist immer noch als Einzel-DVD erhältlich, erschien aber auch als Box zusammen mit DUELL DER GIGANTEN, WANG YU KENNT KEIN ERBARMEN und WANG YU – HÄRTER ALS GRANIT.

Fazit

Dem Schnittmassaker und der schlechten Qualität zum Trotz sollte DIE STAHLHARTEN VIER jeden Wang Yu- und Eastern-Fan, der (in Bezug auf Veröffentlichungsqualität und Schnitte) ein wenig leidensfähig ist, gut unterhalten. Der Star nimmt sich vornehm zurück und überlässt anderen den Lead. Die Action ist immer noch knackig und wird von dem gut ausgearbeiteten Skript durchaus spannend gerahmt. Die ungeschnittene englische Version des Films ist übrigens als FOUR REAL FRIENDS/DRAGON SQUAD auf YouTube zu finden.

OFDb | IMBb | HKMDb

Author: Tom Horn

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