Großangriff der Zombies aka Nightmare City (1980)

Ich weiß gar nicht, wie oft ich Lenzis apokalyptischen Kracher inzwischen gesehen habe, aber ich kehre immer wieder gerne zu ihm zurück. Und das alleine sollte schon den Klassikerstatus, den der GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (so ein geiler deutscher Titel, wenn auch unpassend) unter Fans genießt, legitimieren. Ich besitze inzwischen die englische Blu-ray von Arrow Video, die den Film in einer neu abgetasteten Fassung, allerdings mit allerlei durch Lagerung und Reinigung bedingter Schäden, enthält.

Das Ende ist nah – Verstrahlte Infizierte fallen über eine Großstadt her

Das Unheil kommt mal wieder über die Menschheit, natürlich wieder selbstverschuldet, geschieht uns ja auch recht. Der Reporter Dean Miller (Hugo Stieglitz) wird eines schönen Tages zum Flughafen geschickt, um dort einen Atomwissenschaftler, der im Laufe des Vormittags dort einfliegen soll, zu interviewen. Thema ist der Zwischenfall in einem Atomkraftwerk, dessen Auswirkungen nur schwer absehbar sind. Doch auf dem Flughafen landet eine nicht zu identifizierende Transportmaschine des Militärs, der ohne Vorwarnung ein ganzer Schwung verstrahlter Irrer, allesamt mit heftigst verbrannten Antlitz, entspringen und das herbeigeeilte Sicherheitspersonal überrennen. Unter den aggressiven Strahlemännern befindet sich auch der Wissenschaftler, augenscheinlich nicht mehr willens oder in der Lage, als Interviewpartner Rede und Antwort zu stehen. Regisseur Umberto Lenzi bricht schon hier ein Massaker von Zaun, das sich gewaschen hat. Es soll nicht das letzte sein.

Sicherlich gehören diese ausufernden Goreszenen zu den Gründen, warum GROSSANGRIFF DER ZOMBIES unter Fans solch einen guten Ruf genießt. Allerdings offenbaren gerade diese, teils eher lustigen Szenen aber auch das mitunter größte Problem des Films – man hatte einfach zu wenig Geld, um ordentliche Effektarbeit zu leisten. Die Masken gehen gerade noch in Ordnung, wogegen das Gesuppe mit Theater-Messern und Kunstblut doch eher suboptimal wirkt. Aber das ist auch mehr ein Film der Masse als der Klasse. Denn das ist seine große Stärke, Lenzi fährt immer wieder viele Statisten auf, um die Invasion der Verstrahlten glaubhaft rüberkommen zu lassen. Er ist dabei geschickt genug, die Innenstadt zu meiden, genau wie die Hauptverkehrsadern, denn dafür hat das Geld eben nicht gereicht. Doch innerhalb seiner eng gesetzten Grenzen, funktioniert das erstaunlich gut.

Im Zentrum der Dramaturgie stehen drei Paare, deren Schicksal über die drei wichtigsten handelnden Personen verbunden ist: Dean Miller versteht sich der Wahrheit verpflichtet und möchte, gleich als er wieder im Sender eintrifft, sofort eine Sondersendung starten. Jene wird aber schon nach wenigen Sekunden durch seinen Chef gestoppt, der im Sinne des Generals Murchison (Mel Ferrer) handelt. Das kann allerdings nicht verhindern, dass die TV-Station als nächstes Ziel den mordenden Massen zum Opfer fällt.

Zumindest ist der Reporter nach diesem Zusammenstoß mit dem höchsten Glied der Befehlskette in der Staatsgewalt dann auch wieder mit genug Freizeit ausgestattet, um sich Sorgen um die Versehrtheit seiner Frau Dr. Anna (Laura Trotter) zu machen. Die hat, obwohl kränklich, doch noch ihren Dienst im Krankenhaus angetreten, ist aber wegen einer OP nicht per Telefon erreichbar. Selbstredend wird auch das Krankenhaus von den entmenschlichten Strahlenmonstern überlaufen, als Miller dort eintrifft (ihm scheint das Pech an diesem Tag echt an den Hacken zu kleben).

Während Arzt und Reporter das gebildete wie gehobene Bürgertum repräsentieren, das sich nun vernunftsbegabt auf der Flucht befindet, kann sich Major Warren Holmes (Francisco Rabal) diesen Luxus nicht leisten, gehört er doch zum Krisenstab. Er kann damit noch nicht einmal seiner hübschen Frau Sheila (Maria Rosaria Omaggio) beistehen, die sich damit begnügen muss, die Krise zu Hause auszusitzen. Als drittes gibt es da noch das previligierte und verzogene Töchterchen des Generals, Jessica (Stefania D’Amario), die sich der Bitte ihres Vaters, bitte doch mit ihrem Mann zu ihm zu kommen, nebst Militär-Eskorte, entzieht, da man besseres zu tun hat.

Es braucht kein Diplom und auch keinen Hellseher, um vorherzusagen, welches Paar da nun die besten Überlebenschancen hat. Folglich heftet sich das Drehbuch bevorzugt an die Fersen der Millers, die zum Finale in einem Freizeitpark aufschlagen (inkl. Stand-off auf einer Achterbahn, was später tatsächlich in die Zombie-Popkultur eingehen sollte, wenn man an Filme wie ZOMBIELAND oder Spiele wie LEFT 4 DEAD denkt).

GROSSANGRIFF DER ZOMBIES hat also alles, was so ein zünftiger Zombie-, eh, apokalyptischer Splatter-Horror braucht. Warum ich das Z-Wort für den Film nicht verwenden möchte? Weil es eben keine Zombies sind, eigentlich nicht einmal Infizierte, sondern verstrahlt (im Englischen sind sie mit Verstrahlung infiziert, aber die kennen auch kein „verstrahlt“ in ihrem Wortschatz). Den verstrahlten Menschen giert es nach Blut (also eher Vampire wie bei THE LAST MAN ON EARTH mit Vincent Price), weil ihre roten Blutkörperchen transformiert wurde, was sich durch eben das Blut auch auf die Opfer übertragen werden kann. Ein ganz schönes Tohuwabohu, was mir jetzt erst im Nachhinein und durch Diskussionen auf Facebook aufgefallen ist. Die weitere Gefahr geht von einer radioaktiven Wolke aus, die langsam aber sicher durch die Stadt zieht. Zudem erweisen sich die Angreifer immer noch als geschickt im Umgang mit Hieb-, Stich- und auch Schusswaffen, sie wissen auch die Stromversorgung von Gebäuden außer Betrieb zu setzen und die Festgesetzten so von der Außenwelt abzuschneiden, bevor sie selbiges mit ihren Körperteilen praktizieren. Nichtsdestotrotz werde ich den Film innerhalb dieser Seite den Zombiefilmen zuordnen. Zähneknirschend, aber der Auffindbarkeit wegen.

Umberto Lenzi ist nie müde gewesen zu betonen, für wie wichtig er seinen Film hielt. Und sieht man einfach nur mal nach Chernobyl oder Fukushima, hatte der gute Mann jetzt so unrecht nicht. Nur dass zum Glück keine Zomb… ich meine, keine Verstrahlten auf ihre Mitmenschen losgegangen sind. GROSSANGRIFF DER ZOMBIES jedenfalls ist vollgepackt mit groß angelegten Massakern, persönlichen Schicksalen und apokalyptischen Stimmungstötern, dass er mehr als nur zu unterhalten weiß. Denn wir wissen, dass Exploitation immer dann am besten kommt, wenn sie entweder auf alles scheißt oder aber tatsächlich ein ernstes Anliegen transportieren will, das zwar immer irgendwie mitschwingt, es aber nie in den Zentrum des Geschehens schafft. Natürlich gehört Lenzis Klassiker zur letzteren Sorte, überambitioniert und dennoch bis ins letzte Nackenhärchen exploitativ, zumal es dem Drehbuch nicht immer gelingt, die verschiedenen Handlungsstränge sinnvoll zu verbinden.

Die deutsche, ungeprüfte und auch ungeschnittene VHS gelangte 1982 auf den Index. Bis zur Beschlagnahme dauerte es noch bis Mitte der 90er, es bedurfte einer Laser-Disk aus Japan (und wenn ich mal blind raten soll, wurde diese wahrscheinlich im Rahmen einer unsinnigen Razzia im Videodrome in Berlin aufgefunden), die dann vom AG Tiergarten eingezogen wurde. Der Film bietet schon eine ganze Menge an blutigen Szenen, teils sehr explizit (Brust abschneiden, Schädeldecke wegpusten), dennoch bleiben diese Tricks in ihrer Machart derart durchschaubar, das die FSK heutzutage wohl kaum bedenken hätte, das Ding freizugeben (hatte sie ja anno 1980 auch schon nicht).

Ich mag GROSSANGRIFF DER ZOMBIES, seines beschränkten Budgets und auch der teils unbeholfenen Erzählweise zum Trotz, wirklich sehr, sehr gerne. Ob nun wegen der dreisten Blutbäder, der etwas daneben laufenden Botschaft, Stelvio Ciprianis fantastischem Soundtracks oder auch der durchaus vorhandenen apokalyptischen Grundstimmung willen, er zählte schon immer zu meinen Lieblingen. Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin, weswegen ich mich auch schon auf einen Podcast über Italo-Horror mit den Medienhuren Christian und Christoph freue, in dem der Film auch zur Sprache kommt.

Author: Tom Horn

5 thoughts on “Großangriff der Zombies aka Nightmare City (1980)

  1. Unbeschadet kam der Film damals nicht durch die FSK. Die Kinofassung wies im Gegensatz zum alten Marketing-Tape ein paar Schnitte auf.

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