Resident Evil: Extinction (2007)

Für mich ist dies mit weitem Abstand der Höhepunkt der Reihe. Der Australier Russell Mulcahy nutzt in RESIDENT EVIL: EXTINCTION das Wüsten-Setting gut aus und packt die dünne Handlung mit ansehnlicher Action voll, flott montiert und blutig im Abgang.

Die Polizistin Claire Redfield (Ali Larter) führt zusammen mit S.T.A.R.S.-Member Carlos Oliveira (Oded Fehr) eine Gruppe Überlebender aus Racoon City durch die Wüste Nevadas. In diese weite Einöde hat es auch Alice (Milla Jovovich) verschlagen, die nach einer Forschungseinrichtung von Umbrella sucht. Doch das allsehende Auge im Orbit hat das Versuchsobjekt mit sich entwickelnden Superkräften eh immer Blick, fasziniert beobachtet Dr. Isaacs (Iain Glen) ihre Entwicklung aus der Ferne. Als der Trek, dem langsam die Ressourcen ausgehen, von einem Schwarm mutierter Vögel angegriffen wird, kann Alice die Situation gerade noch retten. Um die Vorräte aufzufüllen und dann nach Alaska weiterzuziehen, entschließt man sich zu einem Abstecher nach Vegas. Doch hier hat Umbrella schon eine Falle für Alice vorbereitet…

Zugegeben, die Plotte hebt sich nicht wirklich von den Vorgängern ab. Sie stammt ja auch abermals aus der Feder von Paul W.S. Anderson, der nach dem Hive und der Stadt mit der Wüste gleich das dritte Setting im dritten Film bemüht. Die Dreharbeiten in Mexiko übernahm dieses Mal Russell Mulcahy, der mit HIGHLANDER ein Stück 80s-Kult geschaffen hatte. Und man merkt schnell, dass der Australier weit mehr Stilsicherheit beweist als sein englischer Kollege. Das Wüstenszenario gibt auf den ersten Blick nicht viel her, unterstützt aber eine Atmosphäre von Ausweglosigkeit. Die Angriffe der Zombies und auch der mutierten Vögel setzen den Flüchtenden weit mehr zu, als es noch bei den Vorgängern der Fall war.

Der größte Pluspunkt des Films sind dann sicherlich auch die Charaktere. Die kommen zwar größtenteils immer noch sehr stereotyp daher, wirken in der Zusammensetzung weit homogener, so dass man eher gewillt ist, mit ihnen zu fiebern. Das wirkt sich natürlich entscheidend auf die Dramatik während der Auseinandersetzungen aus, denn hier sterben der Reihe nach Personen, die einen im besten Fall eben nicht glatt am Arsch vorbeigehen. Zudem zieht RESIDENT EVIL: EXTINCTION die Gewaltschraube noch einmal gewaltig an – neben den obligatorischen Kopfschüssen gibt es abgetrennte Gliedmaßen, herausquellende Gedärme und allerlei geöffnete Körper durch große Hieb- und Stichwaffen zu bewundern. Und weil das Ganze sich eben nicht vor einem Greenscreen abspielt, wirken die Effekte dann auch etwas natürlicher, wenn auch lange nicht perfekt.

Da aber dieser aus Versatzstücken von MAD MAX, DIE VÖGEL (okay, es gab im Spiel ja auch aggressives Federvieh) und blutigem Superheldenfilm zusammengezimmerte Mix immer noch nicht abendfüllend wäre, wandert der Fokus auch immer mal wieder zu Umbrella und Isaacs, der, wie Dr. Logan mit Zombie Bub in Romeros ZOMBIE 2, die Kreaturen studiert und abzurichten versucht. Das ist alles andere als einfallsreich, dennoch kurzweilig genug, um die Zeit bis zum Finale mit rumzubekommen. Und leider ist das dann der große Knackpunkt des Films. Bot der Streifen bis dahin ein flottes Gemetzel, dank Action und Gekröse mit einigem Unterhaltungswert, musste Anderson in seinem Skript ja auch den Bogen zu den Fortsetzungen spannen, was wieder zu hirnerweichend doofen Twists führt, die man am besten ignorieren sollte. Ich für meinen Teil werde bei der nächsten Sichtung einfach nach 75 Minuten abbrechen, bis dahin läuft der Streifen nämlich angenehm rund.

Als No-Brainer und Wüsten-Actioner lässt sich RESIDENT EVIL: EXTINCTION relativ schmerzfrei konsumieren, vor allem da das Tempo immer angenehm hoch gehalten wird und die Charaktere nicht zu doof oder einseitig rüberkommen. Ich sehe ihn als den mit Abstand besten Film der Reihe an (da wird wohl auch die Erstsichtung von THE FINAL CHAPTER voraussichtlich nichts dran ändern), da die „Zombies in der Wüste“-Nummer recht neu war und das Verhältnis zum SF-Part der Reihe ausgewogen. Es gibt natürlich trotzdem einiges zu bekritteln, was ich hier aber für eher nebensächlich erachte. Und wer den Film mit den Spielen der Reihe zu vergleichen sucht, wird mit ihm wohl genauso wenig glücklich wie mit den anderen Filmen. Ich hatte wieder meinen Spaß.

Author: Tom Horn

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