Resident Evil: Apocalypse (2004)

Nachdem meine Auffrischung des ersten Teils der Reihe mehr als unerfreulich verlief, war RESIDENT EVIL: APOCALYPSE schon fast eine Wohltat. Aber in der Tat nur fast.

Zombies, Mutanten und Powerfrauen

Alice (Milla Jovovich) erwacht im Krankenhaus, der T-Virus hat ungeahnte Kräfte in ihr aktiviert. Doch der Erreger wütet inzwischen in ganz Racoon City, weswegen Major Cain (Thomas Kretschmann) von der Seucheneindämmung die Stadt abriegeln lässt, um eine Grundreinigung auf atomarer Ebene durchzusetzen. Dr. Ashford (Jarod Harris), einer der Entwickler des Virus, ist darüber wenig erfreut, da seine kleine Tochter noch in der Schule festsitzt. Er kontaktiert die Polizistin Jill Valentine (Sienna Guillory), die sich inzwischen mit Alice zusammengetan. Ashford bietet ihnen einen Ausweg aus der Stadt, wenn sie seine Tochter von der Schule abholen. Doch neues Unheil droht mit dem Mutanten Nemesis, der zum Test seiner Fähigkeiten auf die Mitglieder der S.T.A.R.S.-Sondereinheit angesetzt wurde…

Der erste Film war mir zu steril, zu zahm und viel zu hölzern. RESIDENT EVIL: APOCALYPSE macht da schon einen Schritt nach vorn, zaghaft zwar, aber immerhin. Statt des klaustrophobischen Hives ist nun Racoon City, hier im Film plötzlich eine mittlere Großstadt, die Spielwiese für die Guten und die Bösen. Doch das Bewegungsfeld wird zum einen außen durch die Abschirmung der Innenstadt durch die Sicherheitskräfte von Umbrella, zum anderen innen durch die dynamischen Zombiemassen eingeschränkt. Wo dem Vorgänger nie gelang, Grusel oder Beklemmung zu verbreiten, gibt es hier jetzt zumindest eine richtig bedrohliche Zombie-Apokalypse.

Das Storygerüst, das Paul W.S. Anderson hier anlegt, ist ziemlich straff und eng abgesteckt, was die Handlung dankenswert gradlinig ausrichtet und das Pacing unterstützt. Wir haben insgesamt vier Gruppen von Überlebenden in der Stadt herumschwirren (neben Alice und Jill Valentine sind da noch die S.T.A.R.S. und natürlich die kleine Tochter von Ashford), die sich zusammenraufen und dann durchkämpfen müssen. Anderson war zeitgleich allerdings mit dem Dreh von ALIEN VS PREDATOR beschäftigt, weswegen ihn hier der Chilene Alexander Witt vertritt. Dem merkt man dann leider auch an, dass er nur ein besserer Second Unit Regisseur und Beleuchter ist. Er weiß, wo die Scheinwerfer zu stehen haben, um die Helden im Blick zu behalten und Settings größer erscheinen zu lassen, als sie wohl waren, aber darüber hinaus fällt ihm schlichtweg nichts ein, um RESIDENT EVIL: APOCALYPSE zu mehr als die Summe seiner Einzelteile anwachsen zu lassen, ihm eine eigene Handschrift zu verpassen.

Die Action gestaltet sich halbwegs dynamisch und erfreulich übersichtlich, doch blutige Sudeleien finden eher verschämt im Halbdunkel statt oder werden nur angedeutet. Etwas aufdringlich finde ich die gewollte Coolness, mit der sich Jill und Alice in ihren Auftritten scheinbar zu übertrumpfen suchen. Die Angriffe der Zombies, die immer wieder die Protagonisten einkesseln sind nett anzusehen, aber auf Dauer eben wenig reizvoll. Der Auftritt von Nemesis ist ein kleines Highlight, weil es etwas Abwechslung reinbringt. Und Fans der Spiele freuen sich, ihn sein bedrohliches „Stars!“ murmeln zu hören, wenn er sich auf die Suche nach seinen Opfern macht.

Das größte Problem von RESIDENT EVIL: APOCALYPSE sind leider (wieder einmal) die Charaktere, die fast durchweg höchstens den Charme von Pappaufstellern besitzen. Milla Jovovich kann sich als Alice wieder auf ihre eigene Mischung aus Verletztlichkeit und Toughness verlassen, doch ihr Gegenüber Sienna Guillory als Jill Valentine hat einen ungleich schwereren Stand. Schon bei der Erstsichtung dachte ich mir, warum zum Teufel läuft die die ganze Zeit im Lara-Croft-Outfit durch die dunkle Stadt? Klar, das ist schon das Outfit aus dem Spiel, das eben dem der Tomb-Raider-Heldin sehr ähnelt, aber hieran sieht man sehr deutlich, dass so etwas real einfach nur lächerlich aussieht. Davon ab nervt ihr Charakter auf einem solch hohem Niveau, dass ich mir schnell einen Zombie herbeiwünschte, der sie bitte fressen möge, damit sie verschwindet.

Der nächste Nervbolzen ist dann der comic relief Mike Epps, den man gerne ersatzlos hätte streichen dürfen. Jared Harris als Dr. Ashford bleibt blass, während seine kleine Tochter nicht mal mehr über die Funktion eines Gimmick hinauskommt. Einen Lichtblick stellt noch Oded Fehr als Carlos Oliveira dar, der zwar auch kaum charakterisiert wird, aber immerhin ein wenig Charisma besitzt. Auf Seiten der bösen Leute von Umbrella findet sich Thomas Kretschmann, eigentlich ein solider Akteur, der hier aber nicht den Raum bekommt, um als Antagonist wirklich Bedrohlichkeit zu versprühen. Aber gut, wozu braucht man einen tollen Antagonisten, wenn man tausende Zombies und einen riesigen Mutanten hat? Vielleicht ja, um einen dramaturgischen Trumpf in der Hinterhand zu haben, aber soweit denkt das Skript natürlich nicht.

Insgesamt erweist sich RESIDENT EVIL: APOCALYPSE anhand des Settings und damit verbunden ein wenig mehr Scope, einem größeren Anteil an Action und einer simplen, aber flutschenden Handlung als weit besser als sein Vorgänger, versandet aber als Reißbrettprodukt dann doch im Mittelmaß. Es gibt zumindest wieder einige Nods in Richtung der Fans der Reihe und viel Milla Jovovich, was den meisten Leuten schon mal genug Grund gibt, dem Film wohlwollend gegenüber zu stehen. Und wenn man nicht mehr erwartet, wird man wohl auch zufrieden sein. Mir persönlich ist es immer noch zu wenig, um in Zukunft noch einmal hierher zurückzukehren.

Author: Tom Horn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.