Zombi Holocaust (1980)

Zum folgenden Film unterhalte ich mal wieder ein eher ambivalentes Verhältnis. Denn ZOMBI HOLOCAUST/ZOMBIES UNTER KANNIBALEN war der erste Film, den ich im Sommer 1998 am Abend nach dem Einzug in meine erste eigene Wohnung geglotzt habe. Ich saß mit Kumpel Holger auf dem Boden der Einzimmer-Wohnung – ich hatte zwar eine Couch, aber noch nichts da, auf das ich den Fernseher hätte stellen können -, wir haben die ein oder andere Sportzigarette gequalmt und einige Dosen Bier vernichtet und italienischen Splatter genossen.

Kommen ein Zombie und ein Kannibale in eine Hütte…

In einem New Yorker Krankenhaus kommt es zu Fällen von Kannibalismus, die laut Anthropologin Lori (Alexandra Delli Colli) auf einen Kult der südostasiatischen Insel Kito zurückzuführen ist. Zusammen mit dem Agenten Dr. Chandler (Ian McCulloch), seinem Kollegen George (Peter O’Neal) und dessen Freundin Susan (Sherry Buchanan) fährt sie nach Kito, um dort den Wissenschaftler Dr. O’Obrero (Donald O’Brian) aufzusuchen. Doch ihr Führer Molotto (Dakar) spielt ein falsches Spiel und sie landen auf der Insel mit den Kannibalen, die aber von anderen grausigen Kreaturen in die Flucht geschlagen werden…

Jau, das ist ein krudes Ding. ZOMBI HOLOCAUST (ich bleibe jetzt mal beim Originaltitel, da auch meine Blu-ray von 88 Entertainment darunter läuft) schmeißt zwei gleich große Subplots, einen mit Kannibalen und einen mit Zombies, zusammen, wobei sich letzterer dann auch noch als Mad Scientist Story outet. Es beginnt alles, wie gehabt im Zombie- und auch Kannibalenfilm der Italiener, in New York, wo schon mal mit ein paar Körperteilen und Innereien jongliert wird. Dann wird es exotisch, die Kannibalen entern die Stage, nur damit man nach wenigen Minuten auch noch feststellt, bei einem verrückten Wissenschaftler gelandet zu sein.

Die Szenen der Zombies und der Kannibalen überschneiden sich jeweils nur ganz kurz, so dass man alle paar Minuten denken könnte, wieder in einem anderen Film gelandet zu sein, wären nicht unsere Protagonisten immer die gleichen. Der Kannibalen-Teil erinnert nicht wenig an Sergio Martinos DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN (1978), die Eingeborenen leben in einer großen Hölle, beten eine Königin an (der alternative italienische Titel lautet auch LA REGINA DI CANNIBALI, also DIE KÖNIGIN DER KANNIBALEN) und kannibalisieren ihre Opfer in einem Ritual zu ihren Ehren. Der Zombie-Teil gestaltet sich dagegen weit weniger spektakulär, führt der Mad Scientist Obrero doch seine Experimente, in denen er lebende Gehirne in tote Körper transplantiert, in einer schnöden Hütte durch.

Girolami ist schon recht gut am Schmoddern, auch wenn das Gedärme-Gekröse eher konventionell vonstatten geht (es wird also auf Tierinnereien rumgekaut) und die meisten praktischen Effekte augenscheinlich preisgünstig umgesetzt wurden. Legendär ist sicherlich die Szene, in der ein Zombiekopp auf einen Außenborder trifft (mein damaliger Lateinlehrer hielt die Szene tatsächlich für echt, gnihi), was ein guter Anlass zum Schmunzeln ist. Die Besetzung ist für so einen Streifen eher Standard, Ian McCulloch stapft gelassen und unbeeindruckt durch das ganze Gemetzel (wie ja in WOODOO davor und ASTARON danach), zehrt aber heute noch von dem „Ruhm“ genau dieser Rollen. Mit Alexandra Delli Colli und Sherry Buchanan haben wir gleich zwei Sweets. Und Donald O’Brian scheint für eine Rolle als Mad Scientist geboren, gibt genau die richtige Mischung aus Wahnsinn und kühler Berechnung zum Besten.

Insgesamt reicht das für mich nicht wirklich zum Hit, zumal ZOMBI HOLOCAUST recht lange braucht, um wirklich Fahrt aufzunehmen (nämlich fast eine Stunde), haut dann aber auch putzig auf den Putz. Die alte deutsche Fassung wurde um ein paar Minuten vor allem unnützer Dialoge gestutzt und ist auch aufgrund der recht lustigen Synchro sicherlich keine schlechte (und vor allem etwas temporeichere) Wahl, um sich des Streifens mal anzunehmen. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich damals freilich not amused und zog den Film, der 1982 indiziert wurde, 1986 und 1988 zweimal ein. Weitere Beschlagnahmen folgten. Weil man es seitens der BPjM verpasste, den Film später auf Listenteil B umzutragen, wurde die flotte VHS-Fassung nach 25 Jahren tatsächlich vom Index gestrichen, was aber nur einen Formfehler darstellt.

Author: Thomas Hortian

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