The Duel of the Century (1981)

Zu meinen liebsten Filmen aus den Studios der Shaw Brothers zählen zur Zeit die Filme von Chu Yuan (engl. Chor Yuen), gerade diejenigen, die in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Gu Long entstanden sind. Diese Wuxia-Abenteuer zeichnen sich vor allem durch ihre zahlreichen Wendungen aus, und The Duel of the Century besitzt davon gleich eine ganze Wagenladung.

Handlung

Detektiv Lu Xiaofeng (Anthony Lau Wing) trifft sich eines Abends mit seinen vier besten Freunden, dem blinden Hua Manlou (Sun Chien), dem Hermit Pine (Shen Lao), dem Honest Monk (Walter Ts Tat-Wah) und dem King of Thieves (Lung Tin-Sang), um den mysteriösen Monk Wisdom zu befragen. Die beiden besten Schwertkämpfer der Martial Arts World, Ximen Chuixue (Yueh Hua) und Ye Gucheng (Jason Pai Piao), haben sich nämlich zu einem Duell in der verbotenen Stadt verabredet. Die Fragerunde führt Xiaofeng zu Li Yianbei (Cheung Miu) und Dao Tungshin (Yeung Chi-Hing), die auf den Ausgang des Duells eine Wette laufen haben. Hier erfährt er, dass Gucheng vergiftet wurde und außerdem des Mordes an Chuixues Schwager beschuldigt wird. Er sucht den tatsächlich erkrankten Kämpfer auf, der aber seine Unschuld beteuert. Jetzt setzt Xiaofeng alles daran, herauszufinden, wer hinter dem Duell und den drum herum gesponnenen Intrigen steckt. Doch die Zeit läuft ihm davon…

Besprechung

Die Geschichten von Gu Long sind bekannt dafür, nicht mit falschen Fährten zu geizen und dramaturgisch den ein wie anderen Haken zu schlagen. Deswegen zeichnen sich auch deren Verfilmungen durch Regisseur Chu Yuan durch mehrere überraschende Wendungen im Plot aus. Das lässt sie erfrischend unberechenbar erscheinen (sofern man die Vorlage nicht kennt). The Duel of the Century um den Meisterdetektiv Lu Xiaofeng dürfte dabei die mitunter wildeste Adaption eines Gu Long-Werkes sein. Das Skript aus der Feder von Chu Yuan wirft nur so mit Red Herrings um sich, ist aufgezogen wie die vertrackte Schnitzeljagd eines Mystery-Krimis. Und zwischendrin gibt es quasi alle fünf Minuten eine nett anzusehende Kampfsequenz, die Action kommt also nicht zu kurz.

Das Tempo des Films ist dabei geradezu halsbrecherisch, da Chu Yuan dies alles in rastlose 90 Minuten packte. Ruhige Passagen sucht man vergebens. Mehr als zwei oder drei Minuten verweilt man hier nicht in Gedanken, bevor es zum nächsten Plotpoint geht. Dadurch mag vieles wirr und der Fortlauf manchmal gehetzt erscheinen. Doch es übertüncht auch ganz gut, wie konstruiert die Geschichte im Endeffekt ist. Darauf kommt es hier aber auch gar nicht an. Vielmehr geht es darum, den Zuschauer in ungläubiges Staunen zu versetzen, wenn wieder Kämpfer mit fantasievollen Waffen die Bühne entern und nach ihrer Niederlage die nächste Wendung preisgeben, die zumeist mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Das bringt einen nicht dazu, nervös auf seinen Nägeln zu kauen, aber es genügt, um zwischen diesen Szenen gespannt der Dinge zu harren, die da noch kommen.

Der klamaukige Detektiv

Der von Anthony Lau verkörperte Lu Xiaofeng hat dabei immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Einige Szenen verwickeln die Figur und seine Freunde auch in Situationskomik, die ein wenig klamaukig rüberkommt. Die Welt um sie herum erscheint im Kontrast dazu bierernst, ich werte das als willkommene Auflockerung dieser Fantasy-Welt. Außerdem passt es ziemlich gut zu der beschriebenen Figur. Das Markenzeichen Xiaofengs sind nämlich seine dichten Augenbrauen und sein nach beiden Seiten abstehender Bart, weswegen er auch „Four Eyebrows“ genannt wird. Sein Signature Move, den nahezu jeder unbekannte Kämpfer im Film erst einmal an ihm testet, um ihn zu identifizieren, ist der Lingxi Finger, mit dem er mühelos Gegenstände, auch Schwerter, mit zwei Fingern greifen und halten kann. Würde er mit diesen Eigenschaften hölzern durch das Geschehen wandern, wäre das eher irritierend.

Die Geschichte wurde im selben Jahr auch als THE LAST DUEL in Taiwan verfilmt. Andrew Lau (INFERNAL AFFAIRS) nahm sich später des Stoffes in DAS DUELL IN DER VERBOTENEN STADT (2000) nochmals an. Chu Yuan verfilmte bereits zuvor mit CLAN OF AMAZONS (1978) eine weitere Geschichte um Lu Xiaofeng. Auch hier spielte schon Anthony Lau die Rolle des intelligenten, aber auch etwas tapsigen Meisterdetektivs. Leider hat es keiner dieser beiden Chu-Yuan-Film bisher nach Europa geschafft. Auch die HK-DVDs sind eher schwer aufzutreiben.

Fazit

Ich hatte wirklich sehr viel Spaß mit diesem versponnen und rasanten Wuxia-Mystery. Die Geschichte mag sehr kontruiert sein und der Film teils etwas episodisch angelegt, aber die Kämpfe gegen immer wieder neue interessante Gegner mit wechselnden Angriffsmustern und coolen Waffen sind sehr spaßig. Nur zum Ende hin übertreibt es THE DUEL OF THE CENTURY ein wenig mit dem Wirework. Dann wird gesprungen und geflogen, dass einem schwindelig werden kann. Den durch Anthony Lau eingebrachten Humor muss man nicht mögen, für mich hat es das Geschehen aber aufgelockert. Wer generell ein Herz für die farbenprächtigen Gu-Long-Verfilmungen von Chu Yuan hat, wird hier bestens unterhalten. Doch wer diese noch nicht kennt, sollte vielleicht erst einmal zu eingängigeren Filmen wie KILLER CLANS (1976) oder DAS TODESDUELL DER TIGERKRALLE (1977) greifen.

OFDb | IMDb

Author: Tom Horn

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