Malignant (2021)

Die Geschichte von MALIGNANT ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nach den ersten bewegten Bildern war im Netz von einer Giallo-Hommage die Rede. Und ja, es gibt einen Killer im dunklen Gewand, mit schwarzen Handschuhen und einem Messer. Aber nein, es ist keine Giallo-Hommage. Dafür sind Regisseur James Wan viele andere Elemente verschiedenster anderer Subgenres augenscheinlich wichtiger.

Handlung

Nach einem hangreiflichen Streit mit ihrem Ehemann schließt sich die hochschwangere Madison im Badezimmer ein und verliert das Bewusstsein. Sie hat einen schrecklichen Alptraum, dass jemand ins Haus eindringt und ihn tötet. Doch am nächsten Tag ist ihr Mann wirklich tot, sein Genick wurde verdreht, und sie selbst erwacht im Krankenhaus. Sie hatte eine Fehlgeburt. Alpträume und Morde werden jetzt ihre ständigen Begleiter, die Detectives Kekoa (George Young) und Regina (Michole Brianna White) sind ratlos. Liegt des Rätsels Lösung in einem düsteren Geheimnis aus Madisons Vergangenheit?

Besprechung

James Wan verbindet in MALIGNANT eher schlecht als recht verschiedene Ausrichtungen des Horrorkinos. Der Film ist irgendwo zwischen CARRIE, BASKET CASE/MEIN BRUDER KAIN und POLTERGEIST (oder eben seinem eigenen INSIDIOUS) angesiedelt. Wir bekommen also Telekinese, eine Böse-Zwillings-Theorie und übernatürlich Spukerscheinungen um die Ohren gepfeffert.

Durch die aufdringliche stilistische Ausprägung in Optik (düster, farbentsättigt, derbe Ausleuchtung mit viel Schatten; analog zum Geheimnis, dass sich in Madisons Vergangenheit, bzw. in ihr selbst verbirgt) und Sound (über weite Strecken wird eine verlangsamte und wirklich schreckliche instrumentale Synthieversion des aus FIGHT CLUB bekannten The Pixies-Songs „Where Is My Mind“ eingespielt, die schnell nerven kann; tatsächlich ein weiterer Vorgriff auf des Rätsels Lösung) will Wan scheinbar erreichen, dass sich der Film als Ganzes wie eine Einheit anfühlt, aber die etwas sprunghafte (und von Jump Scares durchsetzte) Erzählweise wollte bei mir einfach keine durchgehende Spannung aufkommen lassen. Aber ich muss zugeben, dass die heraufbeschworene Atmosphäre trotz, oder vielleicht sogar wegen, oftmals klar erkennbaren künstlichen Ursprungs aus dem Rechenknecht, den Film erfolgreich abseitig, entrückt erscheinen lässt. Handwerklich kann man hier also kaum mosern.

Effekte, Wendungen und weit aufgerissene Augen

Ein weiterer Faktor, der die Effektivität der Geschichte beträchtlich torpediert, ist aber das gnadenlose Overacting nahezu aller Beteiligten. Dialoge werden, gerade unter den Frauen, mit weit aufgerissenen Augen geführt. Verhärtete Gesichtsmuskeln künden zwar von innerer Anspannung, die aber in dieser Form kaum glaubhaft rüberkommt. Die Aktionsszenen, die Morde, werden oftmals als alptraumähnliches, außerkörperliches Erlebnis von Madison gezeigt. Außerdem gibt dies Wan Platz für einige nette Morphingeffekte.

Allerdings ergibt vieles im ersten Moment keinen Sinn, in den meisten Fällen agieren die Figuren teils kaum nachvollziehbar. Einiges davon ergibt nach der Auflösung im letzten Drittel dann aber tatsächlich Sinn, anderes wird fein säuberlich unter den Teppich gekehrt. Hier sei dann auch noch mal vermerkt, dass das Finale in den letzten gut 20 Minuten ganz schön auf die Kacke haut, was dann doch recht spaßíg ist. Sowieso gibt sich MALIGNANT wenig subtil, sondern setzt auf ein aufmerksamkeitsheischendes, aktionsreiches Skript, was munter dem Mittel der Ablenkung frönt.

Fazit

Insgesamt muss ich MALIGNANT bescheinigen, dass es ein Film ist, über den man großartig disktutieren kann. Sogar während er noch läuft, was für einen Unterhaltungsfilm aber keine positive Qualität darstellt. Wenn man sich nicht auf den Film einlassen kann, wird man aber froh sein, jemanden zu haben, der einem Gespräch über das Gesehene nicht abgeneigt ist. Ich war schon beim stark übertriebenen Prolog in einer Forschungseinrichtung, in der ein Monster ein Blutbad anrichtet, und dem wirklich üblen, sofortamente einsetzenden Overacting raus. „Where Is My Mind“ im Hintergrund hat mir dann den Rest gegeben. Das ist vielleicht auch kein Wunder, konnte ich mit zitierten Filmen wie INSIDIOUS oder POLTERGEIST eben auch nie etwas anfangen.

Ich hätte gerne meinen Spaß mit dem Film gehabt, denn handwerklich gesehen ist er topp. Auch einer kruden Erzählung bin ich nicht abgeneigt, sofern es gelingt mich abzuholen (was hier eben nicht der Fall war). Das ist auch dem übertriebenen Spiel von Hauptdarstellerin Annabelle Wallis als Madison geschuldet. Sie erstarrt gerne leichenblass, reißt die Augen auf und grimassiert, als gebe es kein Morgen mehr. Mit ihr konnte ich nicht mitfiebern, höchstens einige Male über sie lachen (wenigstens etwas). Wer allerdings leichter zu ködern ist, als ich es bin, wird mit dem Film eventuell mehr Spaß haben.

OFDb 6.32/10 | IMDb 6.30/10 | Wikipedia

Author: Tom Horn

1 thought on “Malignant (2021)

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